{"id":32874,"date":"2015-02-27T08:06:40","date_gmt":"2015-02-27T07:06:40","guid":{"rendered":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?p=32874"},"modified":"2015-03-08T17:12:35","modified_gmt":"2015-03-08T16:12:35","slug":"nepal-2014-das-medaillon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?p=32874","title":{"rendered":"Nepal 2014: Das Medaillon"},"content":{"rendered":"<p>Es ist der letzte Tag in Kathmandu, nachmittags werden wir zur\u00fcckfliegen. Grund genug, sich noch einmal ins Get\u00fcmmel zu begeben, ein letztes Mal diese verr\u00fcckte Stadt in sich hinein zu saugen, einzuatmen, mit allen Sinnen in sich aufzunehmen, damit m\u00f6glichst viel irgendwo h\u00e4ngen bleibt. <!--more--><\/p>\n<p>Zwei Stra\u00dfen vom Hotel entfernt setzte ich mich auf eine Steinstufe eines Hauses direkt an der Stra\u00dfe und will hier nur sitzen, schauen, riechen, staunen&#8230;<br \/>\nEs herrscht das \u00fcbliche geordnete Chaos: Autos, Motorr\u00e4der, Roller, Fahrr\u00e4der, Rikschas, Lastentr\u00e4ger, Touristen, Hunde sind wie jeden Tag in Thamel unterwegs. Nat\u00fcrlich geht das nicht ohne Gehupe ab. Die Fu\u00dfg\u00e4nger dr\u00e4ngen sich seitlich des Stra\u00dfe an den H\u00e4usern und Eing\u00e4ngen vorbei. Schr\u00e4g gegen\u00fcber staubt ein H\u00e4ndler seine Figuren, die er vor dem Laden stehen hat, mit einem riesigen Wedel ab. Man kann sogar die Staubw\u00f6lkchen fliegen sehen. Aus einem CD-Laden etwas weiter die Stra\u00dfe hoch klingt Musik her\u00fcber: diesmal nicht Om mani pade hum, sondern ein anderes Mantra, genau so eindringlich und ergreifend. Wer sich darauf einl\u00e4sst, kann sich mitten am Tag im L\u00e4rm davontragen lassen&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/nepal14_759.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/nepal14_759.jpg\"  width=\"700\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Irgendwo stehen bleiben oder sich hinzusetzen, kann in einer solchen Stadt &#8222;gef\u00e4hrlich sein&#8220;. Wir sind jetzt den vierten Tag in Kathmandu, da haben wir schon oft erlebt, dass Stra\u00dfenh\u00e4ndler oder Rikschafahrer sehr hartn\u00e4ckig sein k\u00f6nnen. Oft laufen bzw. fahren sie minutenlang neben einem her und preisen ihre Waren und ihre Leistung an. Der &#8222;erfahrene&#8220; Tourist l\u00e4uft locker weiter und wehrt \u00f6fter freundlich das Ansinnen des H\u00e4ndlers ab. Irgendwann geht ihnen die Puste oder die Lust aus&#8230;<\/p>\n<p>Wer sich aber niederl\u00e4sst, um auszuruhen oder zu schauen, bietet einen willkommenen Anlaufpunkt. So konnte ich erfolgreich einen Fl\u00f6tenverk\u00e4ufer und zwei Rikschafahrer &#8222;abwehren&#8220;. F\u00fcr diese kleine Auszeit bin ich ohne Rucksack und Geld los, lediglich mit Handy ausger\u00fcstet. Das sollte mich unter anderem vor etwaigen Panikeink\u00e4ufen zu bewahren. <\/p>\n<p>Dann taucht der Medallionverk\u00e4ufer auf. Ich versuche erstmal an ihm vorbei zu schauen, aber er hat sein Opfer erkannt und bleibt vor mir stehen und beginnt gleich zu reden. Er h\u00e4lt ein kleines rundes Medaillon an einem Kettchen in der Hand und preist es zuerst einmal als einmalig an: Solch eine Kombination von Symbolen sei sonst nicht zubekommen, das Kettchen nat\u00fcrlich aus Silber. Und diese Einmaligkeit soll 1200 Rupien kosten. Gut, jetzt hatte ich schon seit langem einen Anh\u00e4nger als Geschenk im Sinn. Aber die Eink\u00e4ufe waren eigentlich abgeschlossen. So wundere ich mich nicht \u00fcber mich selbst, als ich den Anh\u00e4nger in die Hand nehme. Der Nepalese, ein nicht unsympathischer Mensch, vielleicht Ende zwanzig Jahre alt, setzt sich dann neben mich und dann geht das Verkaufspalaver weiter. Ja, der Anh\u00e4nger sei ok, aber leider h\u00e4tte ich kein Geld dabei, alles im Hotel. Der gute, erfahrenen Mann stuft das nat\u00fcrlich gleich als Touristentrick ein und geht im Preis runter. Jetzt liegen wir schon bei 800 Rupien. Nochmal versichere ich ihm, wir w\u00fcrden heute noch zur\u00fcck nach Old Germany fliegen. Wir h\u00e4tten nicht mehr viel Geld, alles in Katmandu ausgegeben&#8230; 300 Rupien? Nein, no! Langsam gehen mir die Ideen und Worte aus und ich erhebe mich. Vorbei mit der Beschaulichkeit, aber jetzt kommt der gute Junge mit einem letzten &#8222;Angebot&#8220;: Er will mir den Anh\u00e4nger schenken. Kann das sein oder ist das eine bew\u00e4hrte Taktik?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/nepal14_7601.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/nepal14_7601.jpg\"  width=\"700\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Auf dem Medallion sind vorne die &#8222;allsehenden&#8220; Augen Buddhas mit dem dritten mystischen Auge zu sehen. Das dritte ist das Symbol der Weisheit.  Scheinbar hat man zur Ehre Buddhas noch zwei Augen hinzu gef\u00fcgt. Die Nase ist kein Fragezeichen, sondern die Zahl Eins auf Nepali. Auf der R\u00fcckseite des Anh\u00e4ngers sieht man einen stilisierten Stupa.<\/em><\/p>\n<p>Ok, sage ich, wenn er mich zum Hotel begleitet, kann ich noch ein bisschen Geld zusammenkratzen und ihm den Anh\u00e4nger abkaufen. Er geht tats\u00e4chlich mit, bleibt aber hundert Meter vor dem &#8222;Thamel Eco Resort&#8220; stehen und meint, er w\u00fcrde hier warten. Nachdem wir unser Bargeld im Hotel nochmal zusammen gez\u00e4hlt haben &#8211; ein bisschen brauchen wir noch f\u00fcr einige Trinkgelder &#8211; bleiben noch 400 Rupien \u00fcbrig. Ob der Stra\u00dfenh\u00e4ndler \u00fcberhaupt noch da ist? Immerhin sind inzwischen bestimmt 15 Minuten vergangen (kein Touristentrick!) Er steht tats\u00e4chlich noch da. So ganz gl\u00fccklich sieht er nicht aus, als ich ihm &#8222;nur&#8220; vierhundert in die Hand dr\u00fccke, aber er nimmt sie und w\u00fcnscht gute R\u00fcckreise&#8230;<\/p>\n<p>Bei der Recherche zu diesem Eintrag schaue ich mir hunderte von Buddha-Medaillons im Netz an, finde dieses aber nicht &#8211; vielleicht doch eine Einmaligkeit. Zumindest das Erlebnis an diesem Tag war es&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der letzte Tag in Kathmandu, nachmittags werden wir zur\u00fcckfliegen. 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