{"id":93,"date":"2007-01-03T15:10:27","date_gmt":"2007-01-03T15:10:27","guid":{"rendered":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?page_id=93"},"modified":"2013-11-22T15:33:13","modified_gmt":"2013-11-22T14:33:13","slug":"mountainbiken-eine-sucht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?page_id=93","title":{"rendered":"MTB: eine Sucht?"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"blue\"> Da sagt mir einer doch: Ach, du bist doch schon s\u00fcchtig! Er meint nicht Nikotin, nicht den Alkohol, nicht irgend welche Medikamente, auch nicht das Spielen am Computer oder das Arbeiten &#8211; er meint das Mountainbiken. Kann das sein? Bin ich, sind wir s\u00fcchtig?<\/font><br \/>\nDie Fachleute (hier die Sportpsychologen) sagen:<br \/>\n<em>Unter Sucht oder Abh\u00e4ngigkeit versteht man eine zwanghafte Befriedigung eines Bed\u00fcrfnisses. Dabei wird das Bed\u00fcrfnis als ein unertr\u00e4glicher Zustand der inneren Spannung und Leere erlebt. Eine Befriedigung hebt den Zustand nur kurzfristig auf, der Zustand wiederholt sich dann gesteigert.<\/em><\/p>\n<p><font color=\"blue\">Als Zwang kann es schon erlebt werden, mehr oder weniger stark. Aber eine sich wiederholende Steigerung? Eher nicht.<\/font><br \/>\n<em>Die Begriffe Sucht und Abh\u00e4ngigkeit sind gleichbedeutend, wobei das Wort Sucht eher im umgangssprachlichen Bereich und das Wort Abh\u00e4ngigkeit eher im medizinisch-therapeutischen Bereich verwendet wird. Bestimmte Abh\u00e4ngigkeiten (zum Beispiel Nahrungsaufnahme) sind generell gegeben. Eine problematische oder krankhafte Abh\u00e4ngigkeit meint verschiedene Formen des Angewiesenseins auf bestimmte Stoffe, Mittel, Situationen oder Handlungen. Dieses Angewiesensein bezieht sich sowohl auf den K\u00f6rper, als auch auf die Seele.<br \/>\nSeelische Abh\u00e4ngigkeit dr\u00fcckt sich aus als ein unbezwingbares und unkontrollierbares Verlangen nach kontinuierlicher Einnahme eines Stoffes oder der Durchf\u00fchrung einer bestimmten Handlung und dem damit verbundenen Gef\u00fchlszustand oder Erlebnis (zum Beispiel Spielsucht, Computersucht, Magersucht). <\/em><\/p>\n<p><font color=\"blue\">Ist mein Verhalten, der Wunsch aufs Bike zu steigen, schon unkontrollierbar, zwanghaft? Dem stehen doch im Alltag zu viele praktische Hindernisse im Weg: fehlende Zeit, defekte Bikes, zu schlechtes Wetter&#8230;<\/font><br \/>\n<em>Bei nicht stoffgebundenen Suchtmitteln existiert eine seelische Abh\u00e4ngigkeit. Nicht das Suchtmittel an sich bildet die Gef\u00e4hrdung, sondern die psychosoziale Abh\u00e4ngigkeit von einem Lebensgef\u00fchl, dem Wunsch nach Gef\u00fchlen, von denen man annimmt, diese ohne Suchtmittel nicht erreichen zu k\u00f6nnen. Beispiele f\u00fcr nicht stoffgebundene (stoffungebundene) S\u00fcchte: Spielsucht, Kaufsucht, Computersucht, Fernsehsucht und die Sportsucht&#8230;<\/em> (nach www.sign-project.de)<\/p>\n<p><em>Bei der so genannten Sportsucht (auch Fitnesssucht) handelt es sich um eine nichtstoffliche Sucht, die unter den Oberbegriff Verhaltenssucht f\u00e4llt. Betroffene leiden unter dem inneren Zwang, sich t\u00e4glich oder mehrmals w\u00f6chentlich sportlich zu bet\u00e4tigen, wobei die erbrachte Leistung eine wichtige Rolle spielt und kontinuierlich gesteigert wird. In den USA ist der Begriff seit etwa zehn Jahren bekannt. Bei einem Teil der Sports\u00fcchtigen liegt gleichzeitig eine Essst\u00f6rung vor; in diesen F\u00e4llen dient extensives Trainieren vor allem dazu, das K\u00f6rpergewicht zu reduzieren und ein bestimmtes Figurideal zu erreichen. Bei M\u00e4nnern ist auch der zwanghafte Wunsch, immer mehr Muskelmasse aufzubauen, bekannt; daf\u00fcr gibt es den Fachbegriff Muskeldysmorphie (Muskelsucht). Psychologen sch\u00e4tzen, dass in Deutschland etwa ein Prozent der Bev\u00f6lkerung von Sportsucht betroffen ist.<br \/>\nF\u00fcr die Entstehung von Sportsucht gibt es mehrere wissenschaftliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze. Auf der psychischen Ebene kann Leistungssport dazu dienen, das Selbstbewusstsein zu steigern, Misserfolge in anderen Bereichen zu kompensieren und der Bew\u00e4ltigung von Problemen auszuweichen. V\u00f6llige k\u00f6rperliche Ersch\u00f6pfung wird h\u00e4ufig angestrebt und als Erfolgserlebnis gewertet.<br \/>\nEin anderer Erkl\u00e4rungsansatz betont die Bedeutung der k\u00f6rpereigenen Hormonproduktion. Bei intensiver sportlicher Bet\u00e4tigung sch\u00fcttet der K\u00f6rper verst\u00e4rkt Endorphine aus, die den Organismus im Extremfall in einen Rauschzustand versetzen k\u00f6nnen. Langstreckenl\u00e4ufer bezeichnen diesen Zustand als Runner&#8217;s High.<br \/>\nAuch ein Zusammenhang mit den aktuellen Idealen in den westlichen Leistungsgesellschaften wird angesprochen. Leistung hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und ist positiv konnotiert, hinzu kommen die vorherrschenden Sch\u00f6nheitsideale, die sich zunehmend auch auf M\u00e4nner beziehen. <\/em><\/p>\n<p>Merkmale f\u00fcr das Vorliegen einer Sportsucht sind nach Angaben von Sportpsychologen:<br \/>\n* Ausdauersport ist ein zentraler Lebensinhalt?<br \/>\n* bei erzwungenem Verzicht auf Sport treten k\u00f6rperliche Symptome wie Nervosit\u00e4t und Magenschmerzen auf oder psychische wie Schuldgef\u00fchle oder Depressionen?<br \/>\n* die Belastung wird kontinuierlich gesteigert?<br \/>\n* der Drang zu trainieren wird als innerer Zwang erlebt?<br \/>\n* k\u00f6rperliche Warnsignale vor \u00dcberlastung werden ignoriert?<br \/>\n* es wird auch bei Verletzungen weiterhin trainiert?<br \/>\n* soziale Kontakte werden wegen des Sports vernachl\u00e4ssigt oder aufgegeben?<br \/>\n* Das sportbezogene Verhalten kontrolliert die Person, nicht umgekehrt?<br \/>\nK\u00f6nnen f\u00fcnf Punkte mit einem Ja beantwortet werden, dann ist der Begriff &#8222;Sucht&#8220; angemessen.<\/p>\n<p><font color=\"blue\">Zugegeben, es wird knapp, viel fehlt nicht.<\/font><\/p>\n<p><font color=\"blue\">Das Nachdenken und Schreiben \u00fcber das Mountainbiken als Sucht muss jetzt unterbrochen werden, denn es hat jemand an der T\u00fcr geklingelt, er will mit mir eine &#8222;kleine&#8220; Mountainbiketour machen&#8230;<\/font><br \/>\n(Fortsetzung folgt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sagt mir einer doch: Ach, du bist doch schon s\u00fcchtig! Er meint nicht Nikotin, nicht den Alkohol, nicht irgend welche Medikamente, auch nicht das Spielen am Computer oder das Arbeiten &#8211; er meint das Mountainbiken. Kann das sein? Bin ich, sind wir s\u00fcchtig? 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