{"id":47,"date":"2006-12-11T18:29:57","date_gmt":"2006-12-11T18:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?page_id=47"},"modified":"2015-06-02T16:20:30","modified_gmt":"2015-06-02T15:20:30","slug":"geschichten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?page_id=47","title":{"rendered":"Geschichten"},"content":{"rendered":"<p>Geschichten rund um das Mountainbike erleben wir jeden Tag. Nicht immer sind sie des Aufschreibens w\u00fcrdig. Doch so schnell vergessen wir vieles. Also lohnt sich Aufschreiben im Sinne von Aufheben. Die eine oder andere wurde auch schon mal festgehalten. An dieser Stelle werden Texte gesammelt, die eher der Kategorie &#8222;Unterhaltung&#8220; und &#8222;Satire&#8220; zuzuordnen sind.<\/p>\n<ol> <font color=black><br \/>\n<a href=\"#toilette\">Die blockierte Toilette<\/a><br \/>\n<a href=\"#wanderer\">Der Wanderer<\/a><br \/>\n<a href=\"#wildschwein1\">Das Wildschwein 1<\/a><br \/>\n<a href=\"#wildschwein2\">Das Wildschwein 2<\/a><br \/>\n<a href=\"#hund\">Der eisglatte Hund<\/a><br \/>\n<a href=\"#rennen\">Sein erstes Rennen<\/a><br \/>\n<a href=\"#m\u00fcllschlucker\">Der M\u00fcllschlucker<\/a><br \/>\n<a href=\"#wassersparer\">Der Wassersparer<\/a><br \/>\n<a href=\"#beheizt\">Total beheizt<\/a><br \/>\n<a href=\"#mann\">Mann-Frau-Geschichten<\/a><br \/>\n<\/font><\/ol>\n<p><a title=\"toilette\" name=\"toilette\"><\/a><br \/>\n<strong>Mountainbiker blockieren Hoteltoilette mit Bikes<\/strong><br \/>\nCelerina\/Schweiz. Zur besten Mittagszeit betreten oder besser befahren zwei Mountainbiker den Berggasthof Alp Margans und stellen ihre R\u00e4der im Erdgeschoss genau vor dem Toilettenausgang des Restaurants ab. Mindestens zehn Hotelg\u00e4ste konnten l\u00e4ngere Zeit die im Keller gelegenen \u00d6rtlichkeiten nicht verlassen. Erst als ein Gast, der sein Handy \u00fcberall dabei hat, mit demselben die Hotelleitung alarmierte, konnten die Eingeschlossenen befreit werden. Der Oberkellner musste die beiden Mountainbiker, die im im G\u00e4steraum gem\u00fctlich einen Kaffee tranken &#8211; einer soll sogar noch ein St\u00fcck R\u00fcblitorte bestellt haben &#8211; auffordern ihre R\u00e4der sofort zu entfernen und au\u00dferhalb der Gastronomie zu deponieren.<br \/>\nDie beiden Touristen &#8211; ihrer Sprache nach wahrscheinlich Deutsche &#8211; hatten am sp\u00e4ten Vormittag versucht, die sehr steile Auffahrt zur Bergstation und den \u00dcbergang nach St. Moritz zu bew\u00e4ltigen. Auf H\u00f6he der Sesselliftbergstation (2640m) wurden sie jedoch vom einem in allen Medien angek\u00fcndigten schweren Gewitter \u00fcberrascht. Zwei j\u00fcngere Mountainbiker, die noch nach ihnen den Aufstieg mit dem Rad machten, sollen sogar die Weiterfahrt durch das mit Schneefeldern bedeckte Gebiet gewagt haben. Auch sie hat man sp\u00e4ter dann im Berggasthof gesehen. Wo sie ihre R\u00e4der abgestellt haben, ist unbekannt. Die zwei Deutschen kehrten jedenfalls um und suchten bei stark einsetzendem Regen Zuflucht im Restaurant. Da sie ihre wohl teuren R\u00e4der nicht im Regen stehen lassen wollten, nahmen sie sie einfach mit in die R\u00e4umlichkeiten. Sie fanden einen scheinbar geeigneten Platz zum Abstellen vor einer Glaswand. Dies war aber genau die automatisch seitlich aufgehende Toilettenausgangst\u00fcr des Etablissements.<br \/>\nNachdem die Fahrr\u00e4der dann doch einen Platz im Regen einnehmen mussten, haben sich die beiden nicht mehr lange aufgehalten, den Oberkellner noch nach dem k\u00fcrzesten Weg nach Samedan gefragt und sind dann in ihre Regenkleidung eingemummt Richtung Tal verschwunden.<br \/>\nNoch lange war an diesem Tag die wohl doch unbeabsichtigte Toilettenblockade der Mountainbiker das Gespr\u00e4ch an den noch wegen der Vorsaison sp\u00e4rlich besetzten Tische gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"Wanderer\" name=\"wanderer\"><\/a><br \/>\n<font size=\"2\"><\/font><font face=\"verdana\"><strong>Der Wanderer<\/strong><br \/>\nDie Abenteuer eines unfreiwilligen Zuschauers bei einem Mountainbike-Rennen<\/p>\n<p><em>Sch\u00f6n ausgemalt<\/em><br \/>\nEr hatte sich alles so sch\u00f6n ausgemalt. Nach einem genussvollen Mittagsschl\u00e4fchen w\u00fcrde er einen ausgiebigen Waldspaziergang machen. Sein Hund Mupps sollte nat\u00fcrlich mit. Auch dem w\u00fcrde Bewegung gut tun. Viel zu fett war er geworden. Glich er da etwa seinem Herrchen? Mit dem Wagen konnte man bis in den Wald hinein fahren und dann w\u00fcrde er losmarschieren, die Ruhe genie\u00dfen, die gute w\u00fcrzige Luft einatmen, hin und wieder eine Rast einlegen&#8230;<\/p>\n<p><em>Ein Schuss knallt<\/em><br \/>\nGedacht, getan. Der Wagen stand im Schatten und los ging es. Die neuen Wanderschuhe dr\u00fcckten zwar noch etwas und die Kniest\u00fcmpfe juckten, aber das w\u00fcrde sich schon geben. Frohgemut schwang er den Spazierstock mit den 27 Wanderabzeichen. Ein tolles St\u00fcck. Tief atmete er ein &#8211; und musste husten. Scheint ja doch nicht so gesund zu sein die Waldluft, dachte er. Und da krachte pl\u00f6tzlich ein Schuss. Ganz in der N\u00e4he. War heute Treibjagd? Oder hatte ein Gr\u00fcnrock sich versp\u00e4tet und noch ein Eichh\u00f6rnchen entdeckt? Missmutig brummend marschierte er weiter. Mupps schien \u00fcberhaupt nichts bemerkt zu haben.<\/p>\n<p><em>Waldarbeiten am Wochenende?<\/em><br \/>\nAn der n\u00e4chsten Wegabzweigung blieb er verdutzt stehen. Ein rotwei\u00dfes Band versperrte den Weg, den er nehmen wollte. Was ist das jetzt? Doch eine Treibjagd? Oder hatten Waldarbeiter vergessen, das Band zu entfernen? Das war aber auch \u00e4rgerlich, denn dann w\u00fcrde er bald \u00fcber \u00c4ste und Baumst\u00e4mme klettern m\u00fcssen. Ganz zu schweigen von den zu Brei gefahrenen Wegen. Aber irgendwie zeugten die Spuren auf dem Waldweg von Aktivit\u00e4ten im Wald. Aber die Spuren waren so schmal!<\/p>\n<p><em>Ein Rasender<\/em><br \/>\nMal sehen. St\u00f6hnend kletterte er unter dem Band hindurch, Mupps hatte weniger Probleme. Noch sah er keine gef\u00e4llten B\u00e4ume. Aber pl\u00f6tzlich h\u00f6rte er Ger\u00e4usche: ein Scheppern und ein Keuchen. Die Ger\u00e4usche kamen immer n\u00e4her. Mupps blieb stehen. Gott sei Dank, denn da kam schon etwas aus einem Nebenweg geschossen. Ja, geschossen. Vor Schreck blieben die beiden Wandergesellen wie versteinert stehen. Das war ja ein Radfahrer! Wie war der denn so komisch angezogen: ganz bunt, einen Sturzhelm hatte er auf, eine Sonnenbrille (Es schien doch heute keine Sonne!) So schnell wie der vorbei war, konnte er gar nicht gucken. Moment! Solche Leute hatte er schon mal im Fernsehen gesehen. Sport? Tour de \u2026? Ja, die waren auch so angezogen. Hat er aber damals gleich weitergeschaltet! Was macht so einer hier im Wald? Und warum rast der so? Ist doch gef\u00e4hrlich, gell Mupps! Er beugt sich zu seinem Hund runter und streichelt ihm \u00fcber den speckigen R\u00fccken.<\/p>\n<p><em>Landung auf dem Hosenboden<\/em><br \/>\n&#8222;Mensch r\u00fcber, Alter!&#8220;, br\u00fcllt es pl\u00f6tzlich ganz laut vor ihm. Vor Schreck macht er einen Schritt zur\u00fcck und stolpert \u00fcber einen Ast und sitzt auf dem Hosenboden. Aber seine Wanderhose hat ein robustes Herz aus Wildleder zur Verst\u00e4rkung hinten drauf. Die Landung wird abgefedert. Staunend sieht er gerade noch, wie vier weitere Radfahrer, ganz \u00e4hnlich gekleidet, hinter der n\u00e4chsten Wegbiegung verschwinden. Die scheinen dem nachzufahren. Vielleicht hat es \u00c4rger gegeben. Die Burschen hatten auch ganz verbissene Gesichter aufgesetzt. Sogar hier in diesem friedlichen Wald streiten sich die Menschen! Kein Wunder, dass es so viel Krieg auf der Welt gibt!<\/p>\n<p><em>Die schnaufende Meute<\/em><br \/>\nNoch ganz in seine weltbewegenden Gedanken versunken hat er sich aufgerappelt, den Hintern abgeklopft und sich wieder auf den Weg gemacht. Er biegt auch in den Weg ein, aus dem die Radfahrer eben heraus kamen. Er f\u00e4llt etwas steil ab und man hat einen guten Einblick in den Verlauf des Weges. Das gibt es doch nicht: Dort unten kommen noch mehr den Weg hoch! Bestimmt 20 Leute, ne ganz Horde!<br \/>\nKomm r\u00fcber, Mupps! Das kann gef\u00e4hrlich f\u00fcr uns werden. Die Radfahrergruppe kommt immer n\u00e4her. Sie schnaufen ganz sch\u00f6n, einige stehen auf dem Rad und k\u00f6nnen dabei noch fahren. Jetzt \u00fcberholen einige noch. Der Weg ist doch viel zu schmal! Peng, da liegt auch schon einer auf dem Boden. Was ist denn mit denen los? Ist der Teufel in sie gefahren?<\/p>\n<p><em>Brennt es?<\/em><br \/>\nZumindest fahren sie wie die Teufel! Sag, Mupps, was ist hier blo\u00df los? Komm, wir machen, dass wir weiter kommen! Die beiden wandern weiter. Es ist wieder still geworden. Da biegt schon wieder einer um die Ecke. Hat wohl den Anschluss verpasst. Warum haben die alle Schilder mit Nummern vorne am Rad? Seltsam! Kopfsch\u00fcttelnd schaut er dem letzten Fahrer nach. Der Weg schwenkt nun nach links und steigt an. Die n\u00e4chste Biegung bringt die n\u00e4chste \u00dcberraschung: Da steht mitten im Wald ein gro\u00dfer Feuerwehrwagen am Wegesrand. Da scheint ja heute allerhand los zu sein im Wald. Zwei Feuerwehrleute sitzen rauchend im Auto. Na, M\u00e4nner wo brennt\u00b4 s denn? Einer bl\u00e4st ihm den Rauch ins Gesicht: Nur die Zigarette, wir sorgen hier f\u00fcr Ruhe und Sicherheit, Meister, und retten die Leute! Verdutzt schaut sich der Wanderer um. Niemand zu sehen, der zu retten w\u00e4re. Doch in dem Moment ert\u00f6nt ein gr\u00e4ssliches Quietschen, dann sogar mehrstimmig. \u00dcber einen schmalen Weg, der nicht gleich zu sehen war, kommt wieder der Radfahrer an, den er vor zehn Minuten schon mal gesehen hat. Halsbrecherisch saust er den Weg runter, schleudert durch eine Kurve, ziemlich dicht an den beiden vorbei und ist schon verschwunden. Nach einer Erkl\u00e4rung heischend blickt er zu den zwei Feuerwehrleuten r\u00fcber. Einer hat gerade so ein dickes tragbares Telefon in der Hand und spricht was Wichtiges hinein.<\/p>\n<p><em>Aha, ein Rennen<\/em><br \/>\nDer andere steigt jetzt aus und stellt sich neben den Wanderer. Ja, bei so einem Rennen brauchen sie uns. Wird aber gut bezahlt. Der Wanderer wundert sich: Ein Rennen ist das? Mitten im Wald? Ist denn so was erlaubt? Die Feuerwehr: Klar, bei Mountainbikerennen ist das so. Bestens informiert &#8211; mit dem Wort Mountainbike kann er gar nichts anfangen &#8211; ruft er seinen Hund Mupps, der sich gerade am Hinterrad des Feuerwehrwagens erleichtert hat. Sie m\u00fcssen weiter. Mupps kann l\u00f6schen, wo nichts brennt&#8230;.<\/p>\n<p><em>Das Wurfgeschoss<\/em><br \/>\nNach f\u00fcnf Minuten ruhigen Dahinwanderns sto\u00dfen die beiden wieder auf Leute. Schau mal, Mupps, da hat aber einer einen gro\u00dfen Durst! Der hat vier Flaschen in einem K\u00f6rbchen neben sich stehen. So hei\u00df ist es doch heute gar nicht! Sie sind noch einige Meter von den Leuten entfernt, als die ersten Fahrer &#8211; nun dichter zusammen &#8211; wieder des Wegs kommen. Schon von weitem wildes Durcheinanderrufen, das unser Wanderer gar nicht versteht. Der erste Fahrer n\u00e4hert sich. Einer der am Weg Stehenden h\u00e4lt mit ausgestrecktem Arm eine Trinkflasche in den Weg. Der Fahrer schnappt sie sich und nimmt sofort einen Schluck. Beim Fahren! Unglaublich. Und schon sausen auch die anderen an ihm vorbei. ziemlich knapp. Pl\u00f6tzlich jault Mupps laut auf. Da hat doch einer der Fahrer tats\u00e4chlich so eine Trinkflasche nach Mupps geworfen! Warte nur, Bursche!, schimpft der Wanderer der Meute hinterher. Aber wer war eigentlich der \u00dcbelt\u00e4ter? Immer noch w\u00fctend b\u00fcckt er sich und streichelt Mupps. Na, tut\u00b4 s noch weh? Er sieht die Trinkflasche im Gras liegen und versetzt ihr einen kr\u00e4ftigen Tritt mit seinen Wanderstiefeln. Das haben die anderen Leute gesehen und zwei kommen jetzt zu ihm. Ja. er m\u00fcsse das verstehen. Das war keine Absicht mit dem Hund. Er m\u00fcsse wissen, die Fahrer w\u00fcrden hier die Flaschen wechseln, die leeren werden einfach hingeworfen und die Betreuer nehmen sie mit. Etwas freundlicher gestimmt, bedankt er sich und will gerade weiter ziehen&#8230;<\/p>\n<p><em>Tolle Frauen<\/em><br \/>\nDa kommt nach eine Gruppe von Radfahrern den Weg entlang. Etwas langsamer. Mupps und sein Herrchen bleiben sicherheitshalber stehen. Bisschen anders sehen die Jungs ja aus. Ui, das sind ja Frauen! Donnerwetter! Er kann ihnen nur noch nachschauen. Nicht schlecht in diesen eng sitzenden Kleidern. Da sieht man was. Gut, dass seine Alte ihn jetzt nicht sieht. Noch etwas zufriedener setzt er endlich seinen Weg fort. Er blickt noch mal zur\u00fcck, aber die feschen M\u00e4dels sind weg. Na ja, das hat er schon gelernt: die kommen wieder.<\/p>\n<p><em>Fundsachen<\/em><br \/>\nImmer deutlicher h\u00f6rt er jetzt eine Lautsprecherstimme. In ungleichen Abst\u00e4nden erklingt sie. Noch kann er nicht verstehen, was gesprochen wird, aber der Mann am Mikrofon scheint sich ganz sch\u00f6n zu ereifern. Dann scheint Musik zu laufen. Kirmes im Wald??<br \/>\nAuf dem Weg vor ihm liegt pl\u00f6tzlich eine von diesen Plastikflaschen. Mit seinem Spazierstock st\u00f6\u00dft er sie an. Sie scheint nicht ganz leer zu sein. Er bugsiert sie mit dem Stock an den Wegesrand. Hat die jetzt einer verloren oder weggeworfen?<br \/>\nZwanzig Meter weiter kommt der Wanderstock schon wieder zum Einsatz. Da liegt schon wieder was auf dem Boden. Die scheinen eine Menge zu verlieren bei so einer Rennerei, denkt er und b\u00fcckt sich etwas. Mupps kommt auch n\u00e4her und beschn\u00fcffelt das Plastikteil, das da auf dem Boden liegt. Sieht aus wie eine kleine Zahnpastatube, denkt er, aber die werden sich doch unterwegs nicht die Z\u00e4hne putzen. Pass auf, Mupps, nachher finden wir noch eine Zahnb\u00fcrste! Mit einem kleinen Schlag schie\u00dft er das Ding an den Wegrand und b\u00fcckt sich wieder, um es besser zu erkennen. In die Hand nehmen will er es lieber nicht. &#8222;Power Gel&#8220; liest er. Ah, vielleicht was zu einreiben. Gel, das kennt er. Das schmieren sich die jungen Leute heute in die Haare. Aber w\u00e4hrend der Fahrt? Seltsam. seltsam, diese Mondenbeik-Rennen.<\/p>\n<p><em>Auf dem Volksfest<\/em><br \/>\nInzwischen ist unser Wander- und Naturfreund ein wenig m\u00fcde geworden von der vielen frischen Waldluft und vom Zuschauen. Und Hunger und Durst hat er auch. So wird er wie magisch von den volksfest\u00e4hnlichen Ger\u00e4uschen angezogen, die mittlerweile immer deutlicher geworden sind. Immer mehr Leute begegnen ihnen. Er treibt seinen Hund an. Er will endlich wissen, was da los ist. Nach zehn Minuten wei\u00df er es: ein Volksfest. Am Rand eines alten Sportplatzes sind Zelte und St\u00e4nde aufgebaut, Musik erklingt aus Lautsprechern und ne Menge Leute laufen rum. Von seinen untr\u00fcglichen Instinkten geleitet findet er schnell die richtigen Stellen: den Rostwurst- und den Kuchenstand. Hier ist er richtig. Mupps bekommt eine Wurst, er selbst genehmigt sich erstmal zwei St\u00fccke Kuchen und eine Tasse Kaffee. Ist ja gar nicht so teuer, staunt er. Am Bierstand findet er dann endlich zur Ruhe. Mit der Anzahl der Biere und der Informationen, die er hier \u00fcber die Veranstaltung bekommt, wird er bald zum Mountainbike-Fan&#8230;<br \/>\n(EMC-Kolumne 2004)<\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"wildschwein1\" name=\"wildschwein1\"><\/a><br \/>\n<font size=\"2\"><\/font><font face=\"verdana\"><strong>Wildschwein geweckt<\/strong><br \/>\n&#8230; auf Inspektionstour durch den L\u00fcckner: Wie sehen die Trails aus, kann man sie wieder fahren, muss repariert werden? Hinterm Golfplatz geht es hoch. Singletrail. Von Pferden schon etwas ausgetreten. Pl\u00f6tzlich rechterhand am Hang ein Rascheln &#8211; und ein allseits bekannter Grunzlaut. Aus dem Laub erhebt sich ein Wildschweinkopf. Das darf doch nicht wahr sein! Uff! Feste in die Pedale treten und weg. Nicht zur\u00fcck schauen, sondern alles geben. Bergauf! Dann ein kurzer Blick zur\u00fcck: Gottseidank, keine Verfolgung! Ich halte an, hole Luft und peile die Lage. Ein Meter neben dem Pfad hat sich das gute Tier in eine Kuhle zum Schlafen gelegt. Die Sonne hat sch\u00f6n gew\u00e4rmt &#8211; nur ein &#8211; sehr leise &#8211; vorbei ziehender Mountainbiker hat die arme Sau aus ihren Tr\u00e4umen gerissen. Scheinbar hat sie keine Gefahr gewittert und sich wieder hingelegt. Es war wohl auch kein Muttertier, di sollen ja besonders gut auf Menschen zu sprechen sein. Aus sicherer Entfernung mache ich schnell noch ein Foto. N\u00e4her heran traue ich mich dann doch nicht&#8230;.<br \/>\n(aus dem Tagebuch M\u00e4rz 2004)<\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"wildschwein2\" name=\"wildschwein2\"><\/a><br \/>\n<font size=\"2\"><\/font><font face=\"verdana\"><strong>Tote Wildsau versperrt Radweg<\/strong><br \/>\nNichtsahnend, frierend, hustend und mit wenig Freude an seinem Weg zur Arbeit bikt ein Mensch fr\u00fchmorgens den Radweg entlang Richtung Lebach. Da wird er durch blinkende Lichter aus seiner tr\u00fcben Stimmung gerissen. Morgens kann so ein Licht ganz sch\u00f6n blenden. Also Helm etwas senken. Rechts und links der Verkehrsstra\u00dfe steht jeweils ein Wagen, sie haben die Warnblinkanlage eingeschaltet. Bl\u00f6de Autofahrer, denkt der Biker, mit denen habe ich nichts zu schaffen. Er f\u00e4hrt an ihnen vorbei. Es ist noch ziemlich dunkel. Bergauf funzt die Lampe am Rad nur schwach. Flaschen, Glas, T\u00fcten ist er ja gew\u00f6hnt auf den heimatlichen Radwegen, aber da vor ihm scheint sich ein besonders dicker Haufen Dreck angestaut zu haben. Den h\u00e4tte er beinahe nicht gesehen. Die blendenen Autos. Er rei\u00dft instinktiv den Lenker herum &#8211; &#8211; sonst w\u00e4re er voll auf drauf gefahren &#8211; auf die tote Wildsau, die da n\u00e4mlich auf dem Radweg liegt&#8230; Tot scheint sie ja zu sein, keinLaut zu h\u00f6ren, keine Bewegung. Sie wollte sich wohl auf der Stra\u00dfe mit einem Auto anfreunden. Das kann ja nicht gut gehen&#8230;<br \/>\n(aus dem Tagebuch November 2004)<\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"hund\" name=\"hund\"><\/a><br \/>\n<font size=\"2\"><\/font><font face=\"verdana\"><strong>Hund auf eisglatter Fahrbahn angefahren<\/strong><br \/>\nEin interesanter Tag beginnt. Es ist sauglatt. Was f\u00fcr ein saudummer Vergleich, denke ich, denn S\u00e4ue sind nicht glatt, sondern borstig. Und sie sind nicht dumm, sondern gelten als sehr intelligent. Also besser: es ist spiegelglatt (Ist ein Spiegel glatt?). In den Nebenstra\u00dfen bestehen die Autospuren aus Eis, also bitte keine un\u00fcberlegten Zuckungen, Mountainbiker, &#8230; sch\u00f6n die Spur halten. Rechts oder links ausscheren wollen ist gef\u00e4hrlich. Ein besonders glattes Pflaster (besser Teerst\u00fcck)glatt: die Ambetstra\u00dfe zwischen Schmelz und Michelbach. Autos kommen wie immer zu dieser fr\u00fchen Stunde entgegen, Ausweichen ist schwierig wegen besagter Spuren. Deren Kanten sind vereist sind.<br \/>\nVoll und ganz konzentriere ich mich auf die scharfen Kanten. Das bindet alle meine Kr\u00e4fte. Pl\u00f6tzlich sehe ich doch vor mir etwas, einen Schatten, ein sich schnell bewegendes Etwas. So muss ich denn den Blick vom Boden aufheben und schauen, was da kommt. Ein Hund ist es. Ziemlich schnell. Eine Stimme ert\u00f6nt, ein Herrchen ruft irgendwo, doch der Hund l\u00e4uft weiter. Er saust um mich herum, das eisige Parkett scheint ihm zu gefallen, und l\u00e4uft mir dann genau vors Rad. Vor Schreck schnell und doch sacht die Bremse ziehen, aber wir bleiben nicht stehen, sondern knuffen den armen Hund voll in die Seite. Da hat er Fersengeld gegeben. \u00dcber den glattten Boden schlingernd ist er bald au\u00dfer Sichtweite. Ganz locker bleiben, einfach weiter fahren, den Blick wieder auf die Fahrspuren gerichtet. Ein Wunder, dass ich nicht weggerutscht bin&#8230;<br \/>\n(Tagebuch Januar 2002)<\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"rennen\" name=\"rennen\"><\/a><br \/>\n<font size=\"2\"><\/font><font face=\"verdana\"><strong>Sein erstes MTB-Rennen<\/strong><br \/>\nHallo Leute, oh Mann! Hatte ich die Hose voll, wie man so sch\u00f6n sagt. So einige Rennen bin ich ja schon gefahren, also ganz unerfahren bin ich nicht. Die hie\u00dfen anders: CTF oder so. Aber einen Kup noch nie. Ein Freund hat mir den Tipp gegeben, mitgefahren ist er aber nicht&#8230;<\/p>\n<p><em>Die Startert\u00fcte<\/em><br \/>\nSchon auf dem Parkplatz ist mir das Herz fast in die Hose gerutscht, als ich die vielen Leute sah. Alle so professionell, tolle Trikots, tolle Bikes. Im Wald fand ich die Anmeldung ziemlich schnell. Nette Leute. Hier deine Startnummer und das Starterpaket. Ein Paket war es nun nicht, h\u00e4tte ich auspacken m\u00fcssen, es war eine Startert\u00fcte, ist auch bequemer. Der Inhalt kam mir ein wenig komisch vor. Eine leere Trinkflasche. Und vier volle Trinkflaschen. Aber keine der vier Flaschen hat in meine Halterung am Rad gepasst, nur die leere. Bl\u00f6d. Also musste ich umf\u00fcllen, das h\u00e4tten die doch gleich machen k\u00f6nnen. Die zwei anderen Flaschen steckte ich mir hinten ins Trikot &#8211; das hatte ich mal im Fernsehen gesehen. Was noch in der T\u00fcte drin war? Ein Riegel. Bisschen z\u00e4h, das Zeug hat an den Z\u00e4hnen geklebt. Von der selben Marke noch ein Gel in einem Plastikt\u00fctchen. Hab ich noch nie gesehen und lieber mal in der T\u00fcte drin gelassen. Mir war inzwischen sowieso schon richtig schlecht, oh Mann. Ja und ein Haufen Papierkram war auch noch in der T\u00fcte. Wer soll das denn alles vor einem Rennen noch lesen? Da hat doch keiner einen Nerv f\u00fcr!<\/p>\n<p><em>Einfach hinterher<\/em><br \/>\nDie Strecke bin ich dann lieber nicht abgefahren. Ich brauche den Leuten ja nur hinterher zu fahren, es sind ja genug da. In der Holzh\u00fctte hab ich mir ein Bier gekauft, das soll ja die Nerven beruhigen, es war auch noch etwas Zeit bis zum Start. Dann gab es kein Zur\u00fcck mehr. Ziemlich weit hinten hab ich mich in die Reihe gestellt. Trotz der vielen Leute kam ich mir verdammt verloren und allein vor. Ein Sprecher erkl\u00e4rte den Leuten vorne noch einiges, hier hinten hab ich nichts verstanden. Wird nicht so wichtig gewesen sein. Einfach nur dem Vordermann am Hinterrad kleben, dann l\u00e4ufts. Pl\u00f6tzlich krachte ein Schuss und der ganze Haufen setzte sich in Bewegung. Das hat richtig gestaubt, husten musste ich&#8230;<\/p>\n<p><em>Das Riesenloch<\/em><br \/>\nZuerst ging es den breiten Weg hoch, oben am Parkplatz vorbei und wieder in den Wald. Jetzt wurde es eng. Man musste sich einf\u00e4deln wie auf der Autobahn. Dann sah ich vor mir, wie die meisten Fahrer in einem riesigen Loch verschwanden und dann wieder auftauchten. Einige vor mir fuhren um das Loch herum, das machte ich auch, das schien mir sicherer. So ein riesen Loch! Ob die Veranstalter das extra geschaufelt hatten? Es soll ja gen\u00fcgend verr\u00fcckte Mountainbiker geben. Da bauen sich welche Rampen, um m\u00f6glichst weit durch die Luft zu fliegen! Viel Zeit zum \u00dcberlegen hatte ich jedoch nicht, denn jetzt standen eine Menge B\u00e4ume im Weg, um die man herum kurven musste. Na, ging ganz gut. Und schon waren wir wieder im Ziel. Mir fiel ein Stein vom Herzen: So schlimm war das ja nicht&#8230;<\/p>\n<p><em>Der Matratzendownhill<\/em><br \/>\nDachte ich. Doch da bogen alle vor der H\u00fctte links ab. Fast auf die Mosel zu. Und dann, oh je, standen da eine Menge Leute, die feuerten uns an. Und dann sah ich warum: Steil und steinig ging es nach unten. Zeit zum \u00dcberlegen gab es keine, also bin ich einfach gefahren. Klar, vorsichtig. Lebensm\u00fcde bin ich nicht. Rechts und links standen Matratzen an den B\u00e4umen, sah komisch aus. Da werden dann die Verletzten aufgebahrt. Volle Konzentration, Junge, lass dich nicht ablenken! Irgendwie kam ich unten an, obwohl noch einige steile Stufen kamen. Was folgte, war auch klar: wieder den Berg hoch. Viele haben mich nicht mehr \u00fcberholt, wahrscheinlich waren keine mehr hinter mir.<\/p>\n<p><em>Vorbei geflogen<\/em><br \/>\nJetzt wusste ich, was Sache war. So langsam f\u00fchlte ich mich sicherer. Um das Loch, das, wie ich sp\u00e4ter erfuhr, ein Bombenkrater sein soll, bin ich lieber noch mal drum herum gefahren. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden, dachte ich. Aber so sicher war das gar nicht. Man musste aufpassen, dass von links keiner geflogen, oder wie ich es in der n\u00e4chsten Runde erlebt habe, gest\u00fcrzt kam. Und Zuschauer standen oft im Weg herum. Saubl\u00f6d waren die.<br \/>\nDie teuflische Abfahrt gelang mir immer besser. Das Publikum hat einen toll angefeuert. Einige vor mir haben sich auch mit einem Juchzer hinab gest\u00fcrzt. Das schien mir doch etwas zu \u00fcbertrieben. Die Abfahrt erforderte meine volle Konzentration. Rechts konnte ich einige Leute mit Kameras in der Hand erkennen. die wollten wohl den Schrecken oder die Kaltbl\u00fctigkeit auf unseren Gesichtern festhalten? Den Schrecken konnten sie bestimmt bei mir ablesen &#8211; die Kaltbl\u00fctigkeit bei denen, die dann ab der dritten Runde auf dieser Abfahrt an uns vorbei fuhren. Besser: flogen. Zwei in einem schwarzwei\u00dfen, engen Trikot trieben es besonders doll. Ich konnte sie ja nur kurz von hinten sehen. Die standen dann nachher auch auf dem Siegerpodest. Profis in wei\u00dfen St\u00fctzstr\u00fcmpfen&#8230;<\/p>\n<p><em>Ein Sprung zuviel<\/em><br \/>\nBei der n\u00e4chsten Runde wollte ich auch mal durch das Loch fahren. Wenn so viele da durch fahren, bring ich das auch. Dachte ich. Mein Vordermann f\u00e4hrt durch, locker. Ich gebe Gas, komme gut unten durch und mit Schwung wieder heraus &#8211; mit zuviel Schwung. Ich hebe ab, ein tolles Gef\u00fchl. Landung klappt auch noch, doch der Weg l\u00e4uft zwischen den B\u00e4umen mit den Matratzen durch. Gerade noch kann ich den Lenker herumrei\u00dfen, schrubbe an einer Matratze vorbei und wackele noch ein bisschen herum, bis ich die Spur wider halten kann. Verflixt, das war knapp, aber das soll ja auch Profis passieren&#8230;<\/p>\n<p><em>Wie viel Runden noch??<\/em><br \/>\nSo langsam ging mir die Puste aus, die steilen St\u00fccke musste ich schieben. Wie viele Runden noch? Schlie\u00dflich musste ich meine kostbaren Kr\u00e4fte einteilen! Oben an der H\u00fctte, am Zieleinlauf, stand zwar ein Sprecher mit Mikrofon. Der sagte auch ab und zu was ins Mikrofon, ich verstand jedoch nichts. Die Musik aus den Boxen war zwar ganz nett, der Sprecher deshalb schlecht zu h\u00f6ren. Mir rauschte das Blut im Kopf. Wie? Drei Runden noch? Oder zwei? K\u00f6nnen die keine Schilder hinhalten, wo das drauf steht? Lesen kann doch jeder!<br \/>\nSo kaputt war ich inzwischen, dass ich nach dem kleinen Stich im Schotter weg gerutscht und beinahe in die Mosel gefallen bin.<\/p>\n<p><em>Das Interview<\/em><br \/>\nAber alles hat ein Ende, auch dieses schwierige Rennen. Irgendwann kam ich wieder an der H\u00fctte an und keiner fuhr mehr weiter. Geschafft! Nach Luft schnappend blieb ich stehen, hatte keine Kraft mehr, das Bein \u00fcbers Rad zu heben. Pl\u00f6tzlich stand der Sprecher vor mir, grinste, hielt mir das Mikrofon hin und fragte mich, wie es denn so gewesen w\u00e4re. Gut, brachte ich gerade noch heraus. Er erkannte meine Situation und belie\u00df es dabei.<br \/>\nEin Kaffee, ein St\u00fcck Kuchen und ein Bier brachten meine Drehzahlen wieder in den gr\u00fcnen Bereich. Das zweite Rennen lief an. Ich fuhr mal duschen, den Schluss des Seniorenrennens und die Siegerehrungen wollte ich mir noch ansehen.<\/p>\n<p><em>Seniorenpower<\/em><br \/>\nAls ich mich nach einem kurzen Nickerchen im Auto wieder an der H\u00fctte einfand, waren die Alten dabei sich den Rest zu geben. Obwohl noch zwei Runden zu fahren waren, legten einige vor der H\u00fctte noch einen Spurt hin. Wozu eigentlich? Um ihre Power zu demonstrieren? So seniorisch sahen aber einige gar nicht aus: junge, glatte Gesichter. Und ein paar zerknitterte waren auch dabei. Ah, jetzt glaubte ich es zu erkennen: Es gab zwei Seniorengruppen. Die jungen Alten und die Alten. Das m\u00fcsste man doch an den Startnummern irgendwie erkennen k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter sah ich mir einige verlassene Bikes mal an: rot und orange f\u00fcr S1 und S2. Das soll jemand erkennen! F\u00fcr das n\u00e4chste Rennen m\u00fcssen die Schilder mal renoviert werden!<\/p>\n<p><em>Happy End<\/em><br \/>\nDann fand eine Aktion statt, die ich anfangs nicht begriff und die mir komisch vorkam. Da mussten ne ganze Menge Leute unterwegs Sachen verloren haben. Der Sprecher hielt sie hoch: eine M\u00fctze, ein T-Shirt, sogar von einem Handy war die Rede. Namen wurden aufgerufen, die Verlierer? Sie bekamen ihre Sachen zur\u00fcck. Pl\u00f6tzlich rief der Sprecher meinen Namen. Aber ich hatte doch nichts verloren! Oder? Verdammt, jetzt wusste ich es: Es war eine Verlosung. Mir wurde eine sch\u00f6ne M\u00fctze \u00fcberreicht. &#8222;7 up &#8211; Pro Cycling&#8220; stand drauf. Muss ich mir mal \u00fcbersetzen lassen. Verlegen und gl\u00fccklich zog ich mich schnell zur\u00fcck. Toll, dieser Kup. Da mache ich noch mal mit&#8230;<br \/>\n(EMC-Kolumne 2004) <\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"m\u00fcllschlucker\" name=\"m\u00fcllschlucker\"><\/a><br \/>\n<strong>M\u00fcllschlucker<\/strong><br \/>\nNichts ahnend, was auf ihn zukommt, radelt unser Freund sorglos und einigerma\u00dfen gut gelaunt zur Arbeit. Es ist noch dunkel so fr\u00fch am Morgen und regnen tut es auch noch. Nichtsdestotrotz, unser Mountainbiker ist unterwegs, etwas sp\u00e4t zwar, weil er wiedermal die \u00dcberschuhe nicht zubekommen hat. Die Rei\u00dfverschl\u00fcsse hinten waren noch vom Vortag verdreckt lie\u00dfen sich einfach nicht hochziehen. Erst die Kneifzange und einige Fl\u00fcche halfen\u2026 Die verlorene Zeit muss \u00fcber einen k\u00fcrzeren Weg eingeholt werden. Dieser Weg f\u00fchrt durch den Ort und in Anbetracht des irrsinnigen Stra\u00dfenverkehrs und einer Baustelle mit Ampel \u00fcber den B\u00fcrgersteig.<\/p>\n<p>Es ist Montag, M\u00fcllabfuhrtag. Das bedeutet: Slalomfahren. Eigentlich ein gutes Geschicklichkeits- und Techniktraining f\u00fcr einen Mountainbiker. Aber morgens um diese Zeit. Die M\u00fclltonnen stehen akkurat ausgerichtet am Stra\u00dfenrand. Wir sind in Deutschland. Das steht f\u00fcr Ordnung und Sauberkeit. Aber auch f\u00fcr Rationalisierung bis zur Schmerzgrenze. Der gute alte M\u00fcllmann verschwindet immer h\u00e4ufiger aus dem Stra\u00dfenbild. Das war der, der in seiner heftig fluoresziernenden Arbeitskleidung (die auch vern\u00fcnftige Alltagsbiker, wenn sie l\u00e4nger im Stra\u00dfenverkehr \u00fcberleben wollen, immer \u00f6fter tragen) munter vom M\u00fcllwagen auf und ab sprang und sich liebevoll um die vollen Tonnen k\u00fcmmerte. Die Gegend, die unser Mountainbiker durchf\u00e4hrt, ist von solchen M\u00fcllm\u00e4nnern fast frei.<\/p>\n<p>Schon l\u00e4nger ist es her, als ihm zum ersten Mal dieses seltsame Fahrzeug morgens begegnete. Science Fiktion? Ein fahrerloses Fahrzeug, das sich gezielt an den Reihen von M\u00fclltonnen vorbei bewegte, einen Greifarm seitlich ausfuhr, nach einer Tonne griff und sie in einer schnellen Bewegung ins Auto entleerte \u2013 und wieder genau am selben Platz abstellte.<br \/>\nInzwischen hat er sich an den Anbkick gew\u00f6hnt und wei\u00df, dass der Fahrer auf der Beifahrerseite sitzt und die Hebel bedient. Wie diesmal.<\/p>\n<p>Noch vier Tonnen trennen ihn von der Maschine. Verflixt, links kann er nicht vorbei fahren. Kein Platz mehr, ein M\u00e4uerchen. Zu warten hat er auch keine Lust. Also: vorbeifahren zwischen Tonnen und Auto. Der Fahrer wird hoffentlich schon wach sein und warten, bis er vorbei ist. Schlie\u00dflich hat er Licht am Rad und ist gut zu sehen. Genau in dem Moment, als er an der entsprechenden Tonne vorbei f\u00e4hrt, f\u00e4hrt auch der Greifarm aus. Die Hebel fahren unters Oberrohr und hieven Fahrer und Bike in einem Salto nach oben. Das Bike bleibt klemmen, die Klickis l\u00f6sen aus und der Fahrer verschwindet in der \u00d6ffnung, das Rad wird wieder zur\u00fcck gebracht\u2026<\/p>\n<p>Unser Pechvogel hat Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck: Unverletzt landet er weich im Wohlstandm\u00fcll. Zudem tr\u00e4gt er einen Helm und dort ist sogar eine kleine Lampe montiert, die ihm jetzt Licht spendet.<br \/>\nKeine Panik, denkt er, ich wollte eigentlich schon immer wissen, wohin die den ganzen M\u00fcll schaffen. Um sein Bike macht er sich weniger Sorgen: Sperrm\u00fcllabfuhr ist erst in drei Wochen.<br \/>\n(Tagebuch 2010)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"wassersparer\" name=\"wassersparer\"><\/a><br \/>\n<strong>Der Wassersparer<\/strong><br \/>\nAlles wird teurer, auch unser Trinkwasser. Aber zur Zeit bekommen wir das lebenswichtige Nass in gro\u00dfen Mengen umsonst von oben. F\u00fcr \u00f6kologisch engagierte Mountainbiker oder auch Centfuchser bieten sich jetzt echte Sparm\u00f6glichkeiten.<br \/>\nSchon die Hinfahrt zur Arbeit l\u00e4sst sich hervorragend nutzen, um teures Wasser zu sparen: Z\u00e4hneputzen w\u00e4hrend der Fahrt. Die Zahnb\u00fcrste wird zuhause schon mit der bevorzugten Paste pr\u00e4pariert (etwas fester als \u00fcblich aufdr\u00fccken!) Mit einem Klettverschluss kann sie am Lenker fixiert werden. Der Regen weicht sie schon mal gut ein. Nun hei\u00dft es: Zunge rausstrecken und Wasser sammeln. Ist ausreichend vorhanden, kann geputzt werden. Auf ebener Strecke kann man schon mal eine Hand vom Lenker lassen. Zum Aussp\u00fclen der Mundh\u00f6hle muss wieder flei\u00dfig Wasser gesammelt werden. Zur Not kann auch das Restwasser aus der Trinkflasche von gestern benutzt werden. Falls man vergessen hat, am Vortag damit die Blumen im Wohnzimmer zu gie\u00dfen.<br \/>\nEine enorme Einsparung von Wasser verspricht dann der R\u00fcckweg von der Arbeit. Verschwitzt und stark riechend zu Hause anzukommen, ist auch nicht so toll. Also ist Duschen auf dem Nachhauseweg angesagt. Es regnet seit Tagen recht kr\u00e4ftig. Das ist eine einmalige Gelegenheit! Handtuch und Duchgel haben wir nat\u00fcrlich dabei. Jetzt hei\u00dft es: nicht zimperlich sein und runter mit den Klamotten, Oberk\u00f6rper frei. Dazu darf angehalten werden. Die Kleider werden im Rucksack verstaut und der K\u00f6rper sch\u00f6n eingeseift, sobald er einigerma\u00dfen feucht ist. Wer keine Angst hat ohne Helm zu fahren (Sicherheitsfanatiker wegh\u00f6ren!), kann sich auch noch den Kopf einseifen. Und dann fix rauf aufs Rad und durch den Wald geradelt. Der starke Regen sp\u00fclt innerhalb weniger Minuten den Schwei\u00df, den Stress und allen Kummer hinweg. Regenhose vorher enger schn\u00fcren!<br \/>\nZum Abtrocknen und Anziehen darf angehalten werden. Den Zeitverlust hat man schnell wieder aufgeholt.<br \/>\nSelber habe ich das Wassersparen jetzt f\u00fcr ein paar Tage eingestellt, nachdem ich meine Lungenentz\u00fcndung einfach nicht mehr loswerde. Ich wei\u00df gar nicht, wieso ich die bekommen habe, wahrscheinlich hat mich jemand angesteckt\u2026<br \/>\nWas einem auf einer abendlichen Regenrunde f\u00fcr seltsame Ideen kommen k\u00f6nnen\u2026 (Tagebuch 2010)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"beheizt\" name=\"beheizt\"><\/a><br \/>\n<strong>Total beheizt<\/strong><br \/>\nJetzt ist es doch Winter geworden. Minusgrade, gef\u00fchlt ist es richtig kalt. Besonders abends. Manche Leute frieren mehr als andere, aus verschiedenen Gr\u00fcnden&#8230;<br \/>\nSoll er heute ausfahren? Bei der K\u00e4lte? Nat\u00fcrlich, er ist doch gerichtet darauf. Noch einmal kontrolliert er alle seine Heizutensilien, die noch an der Steckerleiste h\u00e4ngen. \u00dcberall gr\u00fcn. Ausst\u00f6pseln und es kann losgehen.<!--more--><\/p>\n<p>Seit Jahren tr\u00e4gt, f\u00e4hrt, nutzt er schon die beheizbaren Schuhsohlen, Thermosoles auf Neuhochdeutsch. Inzwischen gibt es sie schon mit Fernsteuerung. Das w\u00e4re auch was f\u00fcr mich, denkt er. Auch die Handschuhe sind Standard: drei Stufen. Rot, gelb, gr\u00fcn leuchten sie. Allein das macht schon warm. Im letzten Winter hat er sich dazu passende dicke \u00dcberhandschuhe zugelegt, die beheizbaren sind doch sehr d\u00fcnn und die Akkus zu sehr der K\u00e4lte ausgesetzt.<br \/>\nEr \u00e4rgert sich immer wieder, dass es speziell f\u00fcr Mountainbiker so wenig Heizklamotten gibt, als w\u00fcrden alle nur durch die Gegend &#8222;heizen&#8220; und nie frieren. Von den Skileuten und Snowboardern hat er sich die beheizbare Weste abgeguckt. Sch\u00f6n mollig warm.<br \/>\nDas Beste kommt aber noch: das beheizbare Buff-Tuch. Es verteilt die W\u00e4rme mittels Heizdr\u00e4hten \u00fcber den ganzen Kopf, besonders geeignet f\u00fcr Glatzentr\u00e4ger. Fr\u00fcher hat er sein Tuch auf die Heizung gelegt vorm Biken, aber nach zwei Minuten war die W\u00e4rme verschwunden. Das Allerneuste aber ist der Nasenw\u00e4rmer. Nasen sind immer vorwitzig und strecken sich besonders weit in die K\u00e4lte vor und bekommen sie beim Fahren immer zuerst zu sp\u00fcren. Das Teil sieht bisschen wie eine Pappnase f\u00fcr die Fastnacht aus und wird mit einem Gummi um den Kopf befestigt, aber W\u00e4rme geht vor Eitelkeit. Deshalb l\u00e4sst er sich auch nicht gerne in seiner W\u00e4rmehaltepackung fotografieren. Und wovon tr\u00e4umt er, unser  Biker? Nat\u00fcrlich, von einem beheizbaren Sattel. Dass diese Marktl\u00fccke noch kein Unternehmen gefunden und gef\u00fcllt hat, das versteht er nicht.<\/p>\n<p>Wenn er mit seinen Kumpels f\u00e4hrt und die dann auf der Tour mal ein bisschen Gas geben, ist es schnell vorbei mit der molligen W\u00e4rme und er verlangt eine Entkleidungspause.<br \/>\n(Tagebuch 2012)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"mann\" name=\"mann\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Mann und die Frau<\/strong><br \/>\n1 Ausgef\u00fchrt<br \/>\nIn gewissen Gesellschaftskreisen ist es \u00fcblich, dass der Mann die Frau \u00f6fter mal ausf\u00fchrt. Zum Essen, ins Kino, ins Theater usw. So etwas hat unser Mann an diesem Tag auch getan. Die Lokalit\u00e4t hei\u00dft \u201cIm L\u00fcckner\u201d. Als Vorspeise gibt es ein paar einfache Wege zum Warmwerden.<br \/>\nZweite Vorspeise \u2013 er l\u00e4sst sich nicht lumpen \u2013 ein paar Trails, aber schneefrei. Als Hauptgericht wird dann eine Abfahrt in ein sch\u00f6nes Tal bei Wahlen serviert. Das hat sich die Frau ausgesucht. Die So\u00dfe zum Hauptgericht war etwas scharf, so dass die Frau leicht ins Schwitzen kam. Nicht so sch\u00f6n war es dann auch, dass im Restaurant ein paar Hunde herumliefen und die G\u00e4ste bel\u00e4stigten. Das kann einem dann kurzfristig den Appetit verderben. Ja und so gut geheizt war es an diesem Tag auch nicht\u2026<br \/>\nAls Nachtisch gibt es einen atemberaubenden Blick auf exotische Tiere: auf einige Lamas. Wo bekommt man so etwas schon zu sehen?<br \/>\nNach fast zwei Stunden sind beide ziemlich satt und sie machen sich auf den Heimweg. Ganz Kavalier h\u00e4lt der Mann der Frau beim Verlassen der Lokalit\u00e4t die T\u00fcr auf (Gatter am Golfplatz)\u2026<br \/>\nSo, denkt der Mann, das war mal eine kosteng\u00fcnstige Veranstaltung.<\/p>\n<p>2 Blumen f\u00fcr die Frau<br \/>\nDer Mann, Her M., hatte wiedermal keine Ruhe im Hintern. Er musste los. Die Nachbarin, die ihn wegfahren sah, wird wohl angesichts des schlechten Wetters den Kopf gesch\u00fcttelt haben. Als er unterwegs ein Hungergef\u00fchl versp\u00fcrte, hielt er an, stieg vom Rad und las einige Bucheckern vom Boden auf. Sie schmeckten ihm gut und der gute Geschmack auf der Zunge hielt sich eine Zeitlang.<br \/>\nAls er an einem fast verbl\u00fchten Blumenfeld vorbei kam, sah er, dass noch noch einige Blumen \u00fcbrig geblieben waren. Die bringe ich der Frau mit, dachte er. Kommt ja nicht so oft vor. Kaum hatte er sie geerntet und in den Rucksack gesteckt, begann es kr\u00e4ftig zu regnen. Ah, dachte er, die Strafe f\u00fcr den Frevel folgt auf den Fu\u00df. Oder kam der Regen, um die Blumen unterwegs frisch zu halten\u2026<\/p>\n<p>3 Der Sturm<br \/>\nOh, dachte der Mann, als er aus dem Fenster schaute, es weht ein lustiger Wind. Den k\u00f6nnte ich mir um die Nase wehen lassen. Aber geregnet hat es auch. Na ja, der Mann f\u00e4hrt trotzdem los. Durch den Wald wollte und sollte er nicht fahren. Das hat ihm die Frau verboten. Es k\u00f6nnte ihm ja etwas auf den Kopf fallen bei diesem Wind. Das hat er eingesehen\u2026<br \/>\nEr musste nochmal sein \u201cRegenrad\u201d testen, der Sattel war wieder drauf, vielleicht ist es auch ein \u201cWindrad\u201d?<br \/>\n\u00dcber die Schmelzer H\u00f6hen bl\u00e4st dann tats\u00e4chlich ein kr\u00e4ftiger Wind. Sind das die gemeldeten 150km\/h, fragt sich der Mann und klammert sich am Lenker fest. Ui, jetzt bl\u00e4st es aber. Er muss sich schr\u00e4g gegen den Wind lehnen. Einmal wird er von der Stra\u00dfe r\u00fcber in die Wiese gedr\u00fcckt und einmal dachte er: Jetzt muss ich absteigen. Dann h\u00f6rte der Wind aber schlagartig auf zu blasen\u2026<br \/>\nIm Ort f\u00e4hrt der Mann an allerlei fortgewehtem Ger\u00fcmpel vorbei: ein halber Briefkasten, Plastikt\u00fcten, leere Eimer. Auf der Stra\u00dfe liegen an drei Stellen pitschnasse Fu\u00dfmatten. Und einmal hat er sich doch erschrocken: Da kam ihm ein bunter Schirm entgegen geflogen, so ganz allein und ohne jemandem drunter. Da musste er schnell ausweichen. Jetzt, dachte der Mann, wird es Zeit, nach Hause zu fahren&#8230; Ob die Frau schimpft?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichten rund um das Mountainbike erleben wir jeden Tag. Nicht immer sind sie des Aufschreibens w\u00fcrdig. Doch so schnell vergessen wir vieles. Also lohnt sich Aufschreiben im Sinne von Aufheben. Die eine oder andere wurde auch schon mal festgehalten. An dieser Stelle werden Texte gesammelt, die eher der Kategorie &#8222;Unterhaltung&#8220; und &#8222;Satire&#8220; zuzuordnen sind. Die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/?page_id=47\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eGeschichten\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":65,"featured_media":0,"parent":1667,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-47","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/65"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34399,"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47\/revisions\/34399"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nmbiking.de\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}